Die brandenburg-preußischen Galeeren

(Thomas Feige, 2001)


Die erste nachweisbare preußische Galeere wurde 1594 für Markgraf Georg Friedrich von Gerd Ohly in Königsberg gebaut. Der Entwurf des gedeckten Fahrzeuges stammte von Hans Hennenberger. Verwendet wurde die Galeere jedoch als Jacht für Fahrten auf Pregel, Deime und den ostpreußischen Haffen. 1604 sank das Schiff, wurde jedoch wieder geborgen und 1606 letztmalig erwähnt.

Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) setzte im Krieg gegen Schweden (1675-1679) zwei Galeeren ein, und zwar vorwiegend auf dem Stettiner Haff und dem Dammschen See.

Diese als »Große Galeere« und »Kleine Galeere« bezeichneten ehemaligen dänischen Kriegsgaleeren Lossen und Flyvende And wurden 1667 in Kopenhagen von Cort Adeler nach türkischem Vorbild gebaut und im September 1676 für die Galiot Diederich eingetauscht. Sie wurden aber erst 1677 an Brandenburg abgeliefert. Über beide Galeeren ist jedoch kaum etwas bekannt. 1677 waren sie an der Blockade Stettins beteiligt. Während die Schweden die »Kleine Galeere« am 24. November 1677 auf der Dunzig - einem Nebenarm der Oder - vernichteten, wurde die »Große Galeere« 1679 in Wollin abgewrackt.

Im Gegensatz zu den beiden Kriegsgaleeren ließ sich der Kurfürst Friedrich III. 1691 auf der Havelberger Werft eine Galeere bauen, die reinen Repräsentationszwecken dienen sollte und für Fahrten auf Spree und Havel vorgesehen war.

Diese »Churfürstliche Galeere« wurde von dem Schiffbaumeister Jost Eling (Elynck) in Havelberg erbaut und kostete etwa 2.000 Taler. Die Fertigstellung leitete Cornelius Eling, die Bildhauerarbeiten und die Ausstattung wurden durch den in Berlin lebenden Franzosen Philipp de Brun ausgeführt. Aber erst 1693 kam sie zur Ablieferung.

Als Vorbild dienten wahrscheinlich die an der Kanalküste, vor allem in Flandern, gebauten Galeeren. Traditionsgemäß wurden sie nach spanischem Muster gebaut, mit mehr oder weniger französischem Einfluss. Abgesehen von der »Großen Galeere« und der »Kleinen Galeere«, die nach türkischem Vorbild erbaut wurden, wird es sich bei der »Churfürstlichen Galeere« von 1691 um die kleinere Variante, die Fusta, gehandelt haben.

Als Repräsentationsfahrzeug diente die Galeere ab 1694 in Berlin und Potsdam dem Kurfürsten; 1713 wurde sie letztmalig erwähnt.

Die beiden letzten Galeeren zu Repräsentationszwecken waren seit 1733 in Dienst. Die »Rote Galeere« und die »Grüne Galeere« - nach ihrer Farbgebung so benannt - waren ein Geschenk der russischen Zarin Anna Iwanowna an den preußischen König Friedrich Wilhelm I.. Sie dienten ihm vor allem auf den brandenburgisch-preußischen Küsten- und Binnengewässern. Die Galeeren trafen am 23. September 1733 auf der Reede von Memel ein, wo sie überwintern und im folgenden Jahr nach Königsberg in See gehen. Am 24. August laufen beide Schiffe mit Kurs Stettin aus, das sie am 17. September erreichen. Da man die beiden Galeeren wegen ihrer Größe nicht nach Berlin überführen wollte, blieb Stettin Heimathafen.

Aber nur einmal, 1735, unternahm der preußische König nachweisbar eine Fahrt mit den Schiffen, worüber er sich jedoch sehr zufrieden äußerte. 1736 befahl er dann, dass die Galeeren auch während seiner Abwesenheit genutzt werden sollten: „...weil es besser sey, daß diese Galeeren dann und wann gebrauchet werden, als daß sie stille liegen".

In einem Schreiben des Königs an den Fürsten von Anhalt-Zerbst vom 4. Februar 1739 werden die beiden Galeeren letztmalig erwähnt.

Abmessungen

Über die Abmessungen der brandenburgisch-preußischen Galeeren ist wenig bekannt. Die beiden dänischen Galeeren waren nach türkischem Vorbild gebaut, aber nicht so groß wie diese.

Lossen
(»Große Galeere«)

Länge 83½’
Breite 13’
Tiefe 5½’
Riemenzahl 32

Flyvende And
(»Kleine Galeere«)

Länge 61½’
Breite 11’
Tiefe 4¾’
Riemenzahl 26

(Angaben in dänischem Fußmaß 31,9 cm)

Angaben über die »Churfürstliche Galeere« bezüglich ihrer Größe sind nicht überliefert. Nach den beiden Stichen von Augustin Oldenburgh zu urteilen, handelt es sich ebenfalls um ein relativ kleines Fahrzeug, was auch die geringen Baukosten von fast 2.000 Taler bestätigt wird. Allein für den Bau erhielt Jost Eling 1691 400 Reichstaler. In den Marinerechnungen von 1691 werden die Kosten für die Galeere mit 869 Reichstalern, 19 Groschen und 6 Pfennige angegeben; Eling erhielt noch 88 Reichstaler, 21 Groschen und 2 Pfennige. Eine annähernde Vorstellung über die Größe, gibt lediglich ein Bericht in den Marineakten von 1691: „...ein Ruder-jagt mit 24 Riemen und einem pavillon mit Spiegel-gläsern, auch 3 metallin. canonen..."

Ohne nähere Angaben zu machen, gibt Günther Schmidt in seinem Buch die Abmessungen der »Churfürstlichen Galeere« wie folgt an:

Länge             20,00 m
Breite                4,50 m
Tiefgang          1,80 m
Riemenzahl     16

Die Abmessungen in seiner Rekonstruktion weichen da teilweise erheblich ab:

Länge über alles                27,42 m
Länge über Steven            22,42 m
Breite über alles                   6,79 m
Breite auf Spant                   4,70 m
Raumtiefe                              2,27 m
Tiefgang                                1,78 m
Riemenzahl                         16

Die von Günther Schmidt in seiner Rekonstruktion verwendeten Maße scheinen somit der tatsächlichen Größe der »Churfürstlichen Galeere« recht nahe zukommen, da dieses Fahrzeug für die Gewässer in Berlin und Umgebung gedacht war. Auch darf man den Kostenaufwand, den ein größeres Fahrzeug erfordert hätte, nicht außer acht lassen. Wie sehr sich jedoch die Rekonstruktion von Schmidt von dem tatsächlichen Aussehen der Galeere unterscheidet, zeigt das Gemälde von Michael Madderstegh. Es zeigt hier ein völlig anderes Schiff. Das reich verzierte Achterschiff ähnelt eher dem einer Staatenjacht, mit geradem Steven und Spiegel.

Herr Wolfgang Wiesner aus Berlin, der ebenfalls an einer Rekonstruktion der Galeere arbeitet, hat in der ehemalige Zeitschrift modellbau heute ebenfalls einen Rekonstruktionsversuch veröffentlicht. Die darin enthaltenen Änderungen und Ergänzungen konnte Herr Wiesner beim Bauen seines Modells überprüfen und durch andere Rekonstruktionen vergleichen. Dabei zeigte sich, dass für verschiedene Konstruktionsdetails mehrere Varianten möglich waren und daher auch im Plan mit eingezeichnet wurden. Zunächst wurde die Konstruktion der Vorderplattform (Corulla) dem zu dieser Zeit überall anzutreffenden Aussehen angepasst, die bei Schmidt nicht ersichtlich ist. Die Corulla besteht aus einem einfachen rechteckigen, ausreichend durch Balken verstärkten Rahmen, der in der Mitte auf dem eigentlichen Schwimmkörper aufliegt und seitlich durch zwei Längsbalken und einige Knie gestützt wird. Auf der Corulla standen auch die Geschütze.

Weit gravierender waren die Veränderungen am Achterschiff. Da diese Galeere sehr klein war und trotzdem Repräsentationszwecken diente, wurden in der gesamten Raumaufteilung Veränderungen vorgenommen. Wie es bei anderen Galeeren üblich war, wurde das Deck auf die Höhe der Heckplattform (Espalda) angehoben, wodurch darunter eine richtige Kajüte (Gavone) entstand. Sie diente auf jeder Galeere dem Ranghöchsten als Unterkunft. Ebenfalls um mehr Raum auf dem kleinen Fahrzeug zu erhalten, wurde das Heck mit einem geraden Steven und einem Plattgatt versehen. Für Fahrten auf den engen und flachen Gewässern in und um Berlin ist diese Lösung wesentlich sinnvoller. Das gesamte Heck wird nach dem Gemälde von Madderstegh von Herrn Wiesner noch vollständig überarbeitet. Die wichtigste Änderung war der Niedergang. Auch wenn in dem Rekonstruktionsversuch von Herrn Wiesner keine eindeutig befriedigende Lösung gefunden wurde, entspricht sie wohl eher dem historischen Vorbild; wegen der Größe des Schiffes fand sich keine andere geeignete Lösung. Der Niedergang bei Schmidt ist zwar am Modell zu realisieren, aber nicht in der Realität.

Wie die Akten belegen, besaß die Galeere 24 Riemen, also 12 Ruderbänke auf jeder Seite. Die Pläne von Herrn Schmidt und Herrn Wiesner zeigen jeweils nur 8 Bänke pro Seite, sodass auch hierbei noch eine Korrektur erfolgen muß. Sie würde sich dann auf das gesamte Aussehen des Schiffes auswirken.

Angaben über die beiden russischen Galeeren sind da schon etwas detaillierter. Von beiden Schiffen ist das vollständige Inventar erhalten geblieben, in denen jeder Bolzen und jedes Stück Tau genauestens aufgeführt wurden:

»Rote Galeere«
Länge 145’
Breite 30’
Großmastlänge 70’
Fockmastlänge 60’
Großrahlänge 130’
Fockrahlänge 115’
Riemenlänge 40’

»Grüne Galeere«
Länge 121’
Breite 22’
Großmastlänge 57’
Fockmastlänge 47’
Großrahlänge 99’
Fockrahlänge 92’
Riemenlänge 40’

Ob sich noch Originalpläne der Galeeren finden lassen, kann nur eine Recherche im Marinehistorischen Archiv in St. Petersburg erbringen. Immerhin zählt dieses Archiv zu den vollständigsten der Welt.

Alles, was später in Preußen unter der Bezeichnung »Galeere« in Dienst gestellt wurde, waren die unterschiedlichsten Schiffstypen - nur keine Galeeren!

Bewaffnung

Die 1594 in Königsberg erbaute »herzogliche Galeere« hat wahrscheinlich keine Bewaffnung geführt; sie wurde auf dem Pregel und den ostpreußischen Haffen als »Jacht« verwendet. In Brandenburg-Preußen wurden vorwiegend die folgenden Kaliber verwendet:

Einpfünder 300 Pfd. 4,3 cm
Zweipfünder 600 Pfd. 6,1 cm
Dreipfünder 900 Pfd. 8,2 cm
Vierpfünder 1.200 Pfd. 8,5 cm
Sechspfünder 1.800 Pfd. 9,3 cm
Achtpfünder 2.400 Pfd. 10,2 cm
Zwölfpfünder 3.200 Pfd. 12,0 cm
Achtzehnpfünder 5.000 Pfd. 13,5 cm

Die Zwölf- und Achtzehnpfünder sind nur für die Friedrich Wilhelm zu Pferde, die Markgraf von Brandenburg und die beiden russischen Galeeren belegt.

Die »Churfürstliche Galeere« von 1691 war mit drei Kanonen bewaffnet, die auf der Vorderplattform standen. Sie dienten ausschließlich zum Salutschießen. Obwohl Pedy 1690 eine Rechnung über 1.211,15 Gulden für vier Kanonen für die Galeere einreichte, sind nur drei Stück auf ihr aufgestellt worden. Vermutlich wurde die andere Kanone auf der Jacht verwendet.

Entsprechend ihrer Größe waren die Galeeren unterschiedlich stark armiert. Vorzugsweise verwendete man metallene (bronzene) Kanonen auf den Galeeren und Jachten.

Besatzung

Wie schon gesagt, ist von den brandenburgisch-preußischen Galeeren kaum etwas bekannt. So sind auch Angaben über die Besatzung sehr spärlich. Allgemein werden meist nur Angaben über die Gesamtstärke gemacht, selten über die Zahl der Ruderer. Die Besatzung der 1594 in Königsberg von Gerd Ohly erbauten Galeere wird nur mit 3 Mann angegeben; die Zahl der Ruderer wird nicht erwähnt. Für die »Große Galeere« unter Kapitän Goose Janse, werden im Juli 1677 25 Matrosen, 15 Soldaten und »60 Buben« aufgezählt. Die Besatzung der »Kleinen Galeere« wird nur mit »70 Mann« benannt. Etwa gleich groß scheint die Besatzung der »Churfürstlichen Galeere« gewesen zu sein. Neben dem Galeerenkapitän Liberal Gerolomo Ortolan waren noch ein Steuermann und sieben Matrosen an Bord. In seinem Aufsatz über die Havelberger Werft, nennt Walter Voigt jedoch Heinrich Onsen als Kapitän der Galeere. Er soll sie zur Instandsetzung nach Havelberg und 1692 wieder nach Berlin gebracht haben. Diese Angaben können jedoch insofern nicht zutreffen, da die Galeere erst 1693 abgeliefert wurde und erst 1694 erstmals in Berlin eintraf. Weitere Angaben dazu fehlen.

Die beiden Russischen Galeeren hatten neben 32 Seeleuten noch insgesamt 336 Soldaten als Ruderer Bord. Bei beiden Galeeren saßen jeweils sechs Mann an je einem Riemen.

 

Literatur

Barfod, Jørgen H. P.: Orlogsflåden på Niels Juels Tid 1648-1699. Lungby 1963
Feige, Thomas: Die »Churfürstliche Galeere« von 1693. In: modellbau heute, 24. Jahrgang, Heft 3/1993
Marteilhe, Jean: Galeerensträflinge unter dem Sonnenkönig. Leipzig und Weimar 1988
Mondfeld, Wolfram zu: Die Galeere. Rostock 1972
Schmidt, Günther: Schiffe unterm Roten Adler. Rostock 1986
Szymanski, Hans: Brandenburg-Preußen zur See, 1605 bis 1815. Leipzig 1939
Voigt, Christoph: Die russischen Galeeren König Friedrich Wilhelm I. In: Marine-Rundschau, September 1912, S. 1278-1285
Voigt, Walter: Der Havelberger Seeschiffbau. In: Brandenburgische Jahrbücher, 1938, Heft 11, S. 43-78