Knig.gif (24683 Byte)Die Schiffe der preußischen 
Handelskompanien

(Thomas Feige, 2000)


Wenn von deutscher Seefahrtsgeschichte die Rede ist, verbindet man dieses Thema oft nur mit der Hanse, der kurbrandenburgischen Flotte und den maritimen Entwicklungen seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Allenfalls der Ostindienfahrer König von Preußen - auf das Schiff werde ich noch etwas näher eingehen - findet da noch mehr oder weniger statistische Erwähnung - die preußische Schifffahrt im 18. Jahrhundert ist dann relativ unbekannt. Gern wird dann zitiert, Friedrich II. (Regierungszeit 1740 bis 1786) sei "...ein Regiment Soldaten wichtiger als ein Kriegsschiff, dessen Kosten denen eines Infanterie-Regiments völlig gleich käme". (Dieser Satz wird in der Literatur Friedrich selbst zugeschrieben, stammt aber von dem Kriegsrat und Archivar am Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin, Christian von Dohm.) Das Friedrich die Sache jedoch nicht so dogmatisch sah, wie in der Literatur oft zu lesen ist, sondern ganz nüchtern betrachtete, zeigt sein zweites Politisches Testament von 1776. Darin schreibt er:

"Ich glaube nicht, da Preußen sich je zur Bildung einer Kriegsmarine entschließen darf. Die Gründe sind folgende: Mehrere Staaten Europas haben große Flotten, England, Frankreich, Spanien, Dänemark und Russland. Ihnen werden wir niemals gleichkommen können. Da wir also mit wenigen Schiffen immer hinter den anderen Nationen zurückbleiben würden, wäre die Ausgabe unnütz. ... Außerdem führen Seeschlachten nur selten eine Entscheidung herbei. Daraus ziehe ich den Schluss, dass man besser daran tut, das erste Landheer in Europa zu halten als die schlechteste Flotte unter den Seemächten."

Anders verhielt es sich allerdings mit der Handelsschifffahrt. Hier förderte Friedrich II. private wie staatliche Handelskompanien. Wichtige Voraussetzungen dafür waren einige Gebietserweiterungen. Mit dem Tod Carl Edzard 1744 fiel das Herzogtum Ostfriesland mit Emden endgültig an Preußen und durch die erste Teilung Polens 1772 erhielt Friedrich große Teile des westlichen Preußens mit Elbing.

Die ersten Versuche zur Gründung von Handelskompanien in der 40er Jahren des 18. Jahrhunderts verliefen jedoch ergebnislos. Als am 4. August 1750 der Amsterdamer Heinrich Thomas Stuart die Oktroi zur Gründung der ersten Königlich Preußischen Asiatischen Kompanie erhielt, war dies gewissermaßen zur Probe, denn erst am 8. Juli 1751 wurde sie von Friedrich bestätigt. Als Anerkennungsgebühr für sechs Chinafahrten zahlte die Kompanie dem König fast 49.000 (48.697) Taler. Die Kompanie besaß vier Schiffe, die für Handelsreisen vor allem nach China vorgesehen waren. Als Ausgangshafen war Emden vorgesehen. Die Stadt wurde per Kabinettsorder Friedrichs vom 15. November 1751 zum Freihafen erklärt.

Die ersten beiden Schiffe waren die König von Preußen und die Burg von Emden. Beide waren ehemalige englische Ostindienfahrer. Wie die beiden Schiffe ursprünglich hießen, wo sie gebaut wurden und wem sie ursprünglich gehrten, konnte bisher leider nicht ermitteln werden. Die König von Preußen war 150 Fuß lang, 38 Fuß breit und ging mit Ladung 19-20 Fuß tief. Voll ausgerüstet soll das Schiff in London 40.000 Pfund gekostet haben; im Protokoll der Hauptverhandlung der Asiatischen Kompanie wird der Wert mit Ausrüstung mit 69.900 Taler angegeben, der der Burg von Emden dagegen mit 42.900 Taler. Sie war auch 2 Fuß kürzer.

Beide Schiffe kamen im Frühjahr 1752 vor Delfzyl an und schon gab es für die Kompanie die ersten Schwierigkeiten. Kurz nach der König von Preußen traf vor Delfzyl die HMS Surprise auf der Reede ein und durchsuchte das Schiff nach Engländern unter der Besatzung; bei sieben Matrosen war man erfolgreich.

Wenige Wochen später sollte die König von Preußen unter Kapitän Carl Gleitzke mit 120 Matrosen und einer Bewaffnung von 36 Kanonen zu ihrer ersten Fahrt in See gehen. Und schon gab es wieder Schwierigkeiten. Mit Emden hatte man sich nämlich - und das gilt für alle weiteren Fahrten mit großen Schiffen - den denkbar schlechtesten Hafen ausgesucht! es dauerte 24 Tage, bis man das Schiff eine Meile weit auf Reede gebracht hatte und benötigte 24 Leichter um das Schiff seeklar zu machen. Der Emdener Hafen litt nämlich an stetiger Versandung und selbst Versuche, das Hafenbecken tiefer auszubaggern schlugen fehl. Um diesen Schwierigkeiten weitestgehend aus dem Weg zu gehen, lagerte man die Ausrüstung der Schiffe größtenteils in Delfzyl.

Während das erste Schiff bereits in Kanton die Ladung für die Heimreise übernahm, lag die Burg von Emden immer noch auf Reede vor Emden; Kompetenzstreitigkeiten behinderten das Auslaufen des Schiffes. Erst am 4. Oktober 1752 ging sie unter Kapitän Peter Dens mit 118 Matrosen und einer Bewaffnung von 26 Kanonen in See. Erwartungsgemäß waren die Gewinne aus beiden Fahrten nicht der Reede wert; zumindest deckten sie aber die Kosten. Trotzdem kaufte die Kompanie Anfang 1753 für 21.000 (7.777 Taler) Gulden ein drittes an.

Interessant ist der Erwerb des in Prinz von Preußen umbenannten 64-Kanonen-Linienschiffes durch die Umstände, die zum Kauf führten. Ursprünglich hieß das Schiff Soeterwoude und wurde 1719 auf der Admiralitätswerft Amsterdam von Jan van Reenen gebaute (152‘, 42‘, 16‘). 1727 wurde der englische Schiffbauer Thomas Davis Leiter der Admiralitätswerft und dessen Assistent der Schiffbauer Charles Bentham. Unter strengster Geheimhaltung wurde in Portsmouth zwischen der Amsterdamer Admiralität und Bentham ein Vertrag geschlossen, der den gesamten niederländischen Schiffbau beeinflusste. Für Kriegsschiffe, aber auch für Schiffe der VOC, wurden unter Berücksichtigung regionaler Verhältnisse schiffbautechnische Richtlinien für die verschiedenen Schiffsklassen - ähnlich wie in England - entwickelt und nach einigen Abänderungen von der Admiralität und der VOC beschlossen. In dem Umfang, indem sich der Schiffbau nach englischem Vorbild in Holland durchsetzte, verkaufte die Amsterdamer Admiralität ihre bisher nach holländischer Art gebauten Schiffe. Das letzte dieser Schiffe war eben die Soeterwoude.

Als Prinz von Preußen ging das Schiff nun mit 186 Mann Besatzung und einer Bewaffnung von 36 Kanonen am 31. Dezember 1753 nach China in See. Auf der Rckfahrt lief es bei Borkum auf, konnte aber wieder freikommen und erreichte im Juli 1755 reich beladen die Ems. Schon Ende 1754 hatte man in Amsterdam das vierte Kompanieschiff angekauft und es in Prinz Ferdinant umbenannt.

Die Fahrten, die die vier Schiffe zu dieser Zeit unternahmen, brachten für die Kompanie gute Gewinne. Insgesamt entwickelte sich die Kompanie sehr erfolgreich, bis der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges dem ein Ende setzte. Am 3. Juli 1757 übergab Oberst Ernst von Kalkreuth dem französischen General Marquis d‘Auvet die Stadt Emden, dessen Garnison nur 300 Mann betrug. Der Kompaniedirektor Teegel ging mit der König von Preußen - sie lag schon seeklar auf Reede - nach Delfzyl. An Bord hatte er auch rund 10.000 Taler Kompaniegelder. Die Burg von Emden und die Prinz von Preußen blieben abgetakelt in Emden liegen. Die Prinz Ferdinant, die man zu dieser Zeit zurck erwartete, mußte notgedrungen am 11. September 1757 in Plymouth einlaufen. Dort wurde das Schiff samt Ladung schließlich verkauft.

Obwohl die französischen Truppen Emden im März 1758 wieder räumten, wurde die Kompanie aufgelöst. Die Abwicklung zog sich jedoch bis 1765 hin.

Das zweite Handelsunternehmen wurde bereits am 21. Januar 1753 als Königlich Preußische Bengalische Handlungskompanie gegründet. Die Direktoren der Asiatischen Kompanie hatten dagegen auch nichts einzuwenden. Schließlich stand hinter beiden Kompanien das Berliner Handelshaus Splitgerber & Daum als Hauptgeldgeber. Allerdings erlebte die Bengalische Kompanie einen Fehlschlag nach dem anderen.

Die im Oktober 1753 ber Antwerpener Mittelsmänner in England gekaufte Hardwick sollte ber Ostende nach Emden segeln, wurde aber am 10. Februar 1754 in Holland beschlagnahmt und kam einen Monat später in England zwangsweise zum Verkauf.

Noch im selben Jahr gelang der Kompanie in Norrköping ein Schiff zu kaufen und mit schwedischer Genehmigung eine Ladung Kupfer nach Emden zu bringen. Unter dem Namen Prinz Heinrich lief das Schiff im Dezember 1754 nach Bengalen aus. Die Fahrt dieses Schiffes ist insofern interessant, weil sie gleichzeitig das Aus der Bengalischen Kompanie bedeutete.

Wie es zur damaligen Zeiten auf Reisen nach Ost- und Westindien blich war, gab es an Bord Kaufleute, die am Zielort die Geschäfte abzuwickeln hatten. Auf der Prinz von Preußen war dies der Schotte Young, der Franzose De Chanlay und der Flame Broutaert. Sie dachten bei dieser Fahrt aber eher an ihren eigen Vorteil und trieben auf eigene Rechnung Handel, was ihnen strikt verboten war. Solche Praktiken hatten nämlich immer einen größeren Zeitverlust zur Folge. Kurz nach Antritt der Heimreise strandete das Schiff jedoch am 18. August 1756 auf einer Sandbank in der Mündung des Ganges. Während Kapitän Clinkaert in Indien starb, floh Young nach England und Broutaert nach den österreichischen Niederlanden. De Chanlay blieb bei den geretteten Waren in Bengalen. Erst als man in Emden von den Ereignissen erfuhr, sandte man die König von Preußen nach Indien, wo sie die Waren abholte. Ob es sich bei diesem Schiff um den seit 1757 in Delfzyl liegenden Ostindienfahrer handelte, konnte bis jetzt nicht eindeutig geklärt werden. Jedenfalls traf das Schiff im Juni 1762 wieder in Emden ein. De Chanlay erhielt zwei Jahre Festungshaft; die Oktroi wurde von Friedrich II. eingezogen.

Mit der am 24. Dezember 1765 gegründeten Oktroierten Nutzholz-Handlungskompanie wurde erstmals eine rein staatliche Handelskompanie eingerichtet, die über einige Zwischenstufen in die Preußische Seehandlung überging. Als "Stiftung Preußische Seehandlung" gibt es sie heute noch.