Das Kaffenkahnwrack im

Deutschen Technikmuseum Berlin


Allgemeines

Schiffe gehen gelegentlich unter. Wenn sie von ihren Besitzern aufgegeben, also nicht gehoben werden, können sie im Schlamm auf Grund die Jahrhunderte überdauern. Um so ein aufgegebenes Objekt handelt es sich bei unserem Wrack, das räumlich das größte Ausstellungsstück in der Abteilung Schifffahrt des DTM ist.

Fehlende Bauteile werden nicht erneuert, es wird aber ein Mast mit Sprietstange und altem Segel aufgestellt, um die Größenverhältnisse zu vermitteln.

Von der Originalladung - Dachziegel aus Rathenow - wird ein Teil eingestapelt.

Die nicht mehr vorhandene Bude (Kajüte) wird nach alten Unterlagen rekonstruiert und neben der Dockgrube, in der das Wrack gelagert ist, zusammen mit einigen originalen Fundstücken aus dem Inventar aufgestellt.

Zur weiteren Erläuterung wird eine Modellrekonstruktion aufgestellt werden. Vitrinen mit entsprechenden Darstellungen und Dokumenten sollen einen Eindruck aus diesem Milieu vermitteln.

Copy of Kaffenkahn1.gif (21747 Byte)

Fund und Bergung

Das Wrack lag in der Nähe der Spandauer Zitadelle bei der Insel Eiswerder, Fischern und Sportbootfahrern war es als Hindernis bekannt. Der für den Bereich zuständige Fischer informierte die Sporttaucher des DUC (Deutscher Unterwasser Club e.V.).

Gemeinsam mit den Sporttauchern und dem Deutschen Technikmuseum Berlin erfolgte die Bergung 1987. Über 30.000 Ziegelsteine wurden unter Wasser entladen. Das Wrack wurde bei dem DIW (Deutsche Industriewerke Spandau) auf ein Stützgerüst gesetzt, in die Form gedrückt und in einen schwimmenden Lagerponton eingebracht, in dem die Konservierung erfolgte.

Der Schiffstyp

Da nach dem Untergang Bug und Heck sowie die Bude gewaltsam entfernt worden sind, kann die genaue Bugform, die eine korrekte Benennung (Einordnung) zulassen würde, leider nicht festgestellt werden. Anhand der übrigen Bauteile sowie der Verarbeitung des Holzes und der Ausführung der Plankennähte, d. h. der Dichtfugen, ist es aller Wahrscheinlichkeit nach eine überbaute böhmische Zille. Ob es sich dabei um eine Zille in Butzerform oder als Kaffenspitz handelt, kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden.

Copy of Kaffenkahn2.gif (14415 Byte)

Es ist aber sehr wahrscheinlich, da es sich um den schmucklosen Butzer gehandelt hat.

Alter des Schiffes, Datum des Untergang

Gefäße dieser Größenordnung wurden damals in verschiedenen Orten registriert. Am Wrack fand man eine Blechplatte mit der Zahl 5916. Leider fehlt der Teil der Tafel, der Auskunft auf den Registrierort gibt. Somit ist also die genaue Herkunft - und damit das Alter - derzeitig nicht nachweisbar.

Copy of Kaffenkahn3.gif (14260 Byte)Die Frontplatte des Ofens enthält die Jahreszahl 1817, So alt ist das Wrack aber nicht. Es war ja üblich, da der Schiffer seinen teuren Ofen auf das nächste Gefäß mitnahm, wenn das alte abgewrackt wurde. Die im Wrack gefundenen Geldstücke aus den Jahren 1845, 1846 und 1847 zeigen an, da das Gefäß nicht vor 1847 untergegangen sein kann. Das geht auch aus den Ziegelstempeln von Rathenow hervor. Die Ziegelei von C. Barnewitz und W. Gebhard produzierte von 1852 bis 1917. Demnach kann das Schiff auch nicht vor 1852 untergegangen sein; geschätzt wird etwa 1855. Das Baujahr des Gefäßes kann auf etwa 1840-1845 geschätzt werden.

Auch die Schiefertafel mit dem im Rahmen eingeritzten Namen W. Grothe brachte bisher keine Auskünfte.

Da das Schiff mit intakter Ziegelladung unterging, fällt ein langsames Leckwerden aus. Somit ergeben sich zwei Varianten, die zum Untergang führten. Erstens kann eine starke Böe durch den unverstagten Mast den Sitzschemel durch die Bordwand gedrückt haben. Durch das etwa 1,30 m lange Leck strömte sofort Wasser ein, das Schiff sank.

Die andere Variante ist, dass das Gefäß etwas Leckwasser hatte, was ja bei der Moosdichtung vorkam, denn "pottdicht" waren solche Gefäße ja nie. Leckwasser verringert aber wegen der freien Oberfläche die Stabilität eines Schiffes erheblich, sodass bei einer Böe, die nicht sofort durch "Schricken", also Loslassen des Segels, abgefangen werden konnte, dass die Bordwand unter Wasser gedrückt wurde. Als dann das Gefäß auf Grund lag, wurde der Mast gewaltsam seitlich herausgebrochen, um Segel, Mast und Sprietbaum zu bergen.

Der Wahrscheinlichkeitsgrad für beide Varianten ist gleich.

Schiffsabmessungen

Länge des Wracks 32,00 m
Breite über Boden 4,28 m
Breite oben 4,50 m
Seitenhöhe = Höhe des höchsten Spantkopfes über Basis 1,10 m
Länge des Schiffes original etwa 36,00 m
Breite maximal etwa 4,60 m
Seitenhöhe etwa 1,10 m
Masse des Wracks einschließlich der Tragekonstruktion ca. 17 t

G. Pohlandt

Wer mehr über das Wrack erfahren möchte, wendet sich bitte
direkt an das Deutsche Technik-Museum Berlin.