Marinemalerei

(Marko Richter, 2001)


 

Gilde

Malerei

Beispiele

Quellen und Nachschlagewerke

 

In vielen Büchern die sich mit Schiffen der Vergangenheit beschäftigen, werden vielfach Gemälde und Zeichnungen reproduziert, ohne auf die Frage der Authentizität des Dargestellten einzugehen. Zur Beantwortung dieser Frage ist es erforderlich, sich mit der zeitgenössischen Betrachtungsweise der Gemälde und Zeichnungen zu beschäftigen. Dazu gehören also die Biographie des Künstlers, die Lebensverhältnisse und natürlich die Bedeutung der Werke zum Zeitpunkt ihrer Herstellung. Mit diesen Fragen beschäftigt sich eigentlich die Kunstgeschichte, aber es gibt ein Problem. Bei maritimen Werken, gehören auch technische und schiffahrtshistorische Aspekte zur Interpretation der Gemälde. Viele der bedeutendsten Werke befinden sich aber in historischen und natürlich speziell in schiffahrtshistorischen Sammlungen. Erst langsam erkennen Kunsthistoriker die notwendige Zusammenarbeit mit Schiffahrtshistorikern und umgekehrt. Diese Seite auf einer schiffahrtshistorischen Homepage möchte ein Hilfsmittel sein, um sich mit der historischen Seite speziell der Seemaler der Niederlande des 17. Jahrhunderts, zu beschäftigen. Sie möchte ebenfalls ein Sprungbrett zu kunsthistorischen Seiten im Internet sein.

Für die Pinsel schwingenden Handwerker war die Gilde "St. Lucas" die Interessenvertretung. In ihr sind nicht nur die "feinschilder", zum Beispiel die Glasmaler, sondern unter anderem auch die Anstreicher organisiert.

Ähnlich wie die heutige Handwerkskammer, erteilte die Gilde den Meistertitel. Dazu mußte der Geselle ein Probestück an die Gilde liefern, um den Meistertitel zu erhalten. Aus zeitgenösischen Dokumenten geht hervor, daß es wichtiger sei eine anerkannte Lehrzeit absolviert zu haben, statt die handwerklichen Fähigkeiten zu haben. Erst als Meister, durfte er seine eigene Werkstatt eröffnen. Sollte er damit bankrott gehen, gab es die Möglichkeit als sogenanter Meisterknecht in die Werkstatt anderer Meister zu gehen, um sein Brot zu verdienen. Aber nur als selbstständiger Meister durfte er auch seine Werke signieren. Ausgeführte Aufträge für die Werkstatt, durfte nur der Werkstattmeister signieren. In Streitfällen, die die Malerei betraf, trat die Gilde als Vermittler von kompetenten Sachverständigen auf.

Auf Antrag der Mitglieder konnte eine Art Rente erteilt werden, wenn das Mitglied im Alter Erwerbsunfähig geworden sein sollte. Damals gab es keine geregelte Altersrente.[ Zurück ]

Der in Deutschland gebrauchte Begriff   "Marinemaler" für die Maler von See und Schiffen des 17. Jahrhunderts der Niederlande, ist eigentlich falsch. Dieser Begriff stammt aus der Zeit um 1900, als in Deutschland die Propaganda für die Marine ihren Höhepunkt erreichte. Für diese Propaganda und deren daraus resultierenden Interesse der Künstler und auch der Bevölkerung für die Schiffahrt, wurden viele Gemälde zur Gloifizierung der kaiserlichen Marine, aber auch der Schiffahrt jener Zeit und früherer Jahrhunderte hergestellt. Der bedeutendere Teil war aber auf die kaiserliche Marine ausgerichtet. Dieser Begriff "Marinemaler" ging dann über auf alle Bereiche der Malerei, die See und Schiffe darstellen. Aus Mangel eines anderen Begriffes und der vorherrschenden Tradition folgend, werde ich diesen Begriff weiterhin verwenden. In den Dokumenten des 17. Jahrhunderts werden die Künstler, die sich überwiegend mit der Darstellung von See und Schiffen beschäftigen, als "zeeschilder" oder "scheepsschilder" beschrieben. Meist werden aber nicht die Künstler in ein Fach einsortiert, sondern die Werke. Da heißt es dann: "strandjes", "waterken", "storm" etc.

Was macht eigentlich eine Marine aus? Das Hauptkriterium ist die größere Rolle von Wasser mit Schiffen in der Komposition des Bildes. Eine Abgrenzung zwischen der Landschafts- und der Marinemalerei gibt es eingentlich nicht. Gerade die Strandstücke bilden hier einen Grenzbereich ebenso wie Flußansichten. Ungeklärt ist bisher, warum die Marinemalerei nur in den Niederlanden eine so hohe Bedeutung und Ausbreitung erreichte. In England wurde diese Kunstrichtung erst nach der Übesiedelung der van de Veldes nach 1672 etabliert, in anderen Ländern erreichte sie nie eine so bedeutende Rolle. Die Bedeutung der Seemalerei kommt natürlich von der engen Verbindung der niederländischen Gesellschaft mit der Seefahrt, aber es steckt mehr dahinter.[ Zurück ]

In Antwerpen verpflichtete sich 1615, Johann Porcellis ("Navium Hollandicarum"), wegen Geldmangel, in 20 Wochen 40 Seestücke mit Schiffen zu fertigen.

Adm. A'dam beschloß 1621 für die Ausschmückung eines Flügels des Binnenhofes, dem Prinzen von Oranien ein Gemälde der Schlacht vor Gibraltar 1609 zu schenken. Vroom verlangte 6000 Gulden - abgelehnt, van Wieringen wollte 3000 Gulden, er bekam dann auch den Auftrag.

An diesem Auftrag arbeitete van Wieringen 7 Monate. Vorab wurde durch Vertrag vereinbart, daß der Preis erst nach Fertigstellung duch Begutachtung von 4 Experten festgelegt wird, er erhielt 2400 Gulden (bei Rembrandts "Nachtwache" 1600 Gulden).[ Zurück ]

 

 

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Quellen und Nachschlagewerke

Einzige in Originalgröße neu aufgelegte Ausgabe von "Navium Hollandicarum" ist unter dem Titel: "Arbeitsschiffe des täglichen Gebrauchs, Porcellis' Kupferstiche von 1627 von Dr. Heinrich Stettner beim Hauschild Verlag, Bremen 1996, herausgegeben worden. [ Zurück ].

L.J. Bol "Die holländische Marinemalerei des 17. Jahrhunderts", Braunschweig 1973

"Loef der zeevaart", Rotterdam 1996 (Katalog)

"Mirror of Empire", Minneapolis 1990 (Katalog)

F.C. Willis "Die niederländische Marinemalerei", Leipzig 1911

L. Preston "Sea ans River Painter of the Netherlands in the Seventeenth Century", London, New York, Toronto 1937

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