Das Modell der katalanischen Nao von 1450


Das Modell von Mataro kann wohl ohne Übertreibung als das älteste erhaltengebliebene Schiffsmodell aus der Zeit der überseeischen Entdeckungen bezeichnet werden. Doch wie es meist mit interessanten Modellen so ist, gibt es auch über dieses Zeugnis kulturgeschichtlicher Entwicklung kaum eine gute Beschreibung. Die mit Abstand umfassendste Arbeit darüber wurde 1956 von Heinrich Winter veröffentlicht. Darüber hinaus sind nur noch die 1929 und 1930 veröffentlichten Arbeiten von Culver/Nance und Nouhuys zu nennen. Von gelegentlichen Abbildungen und Hinweisen auf das Modell in andern Publikationen abgesehen, ist nichts weiter von Bedeutung mehr erschienen. Das Modell scheint dann allgemein in Vergessenheit geraten zu sein, bis es 1981 durch das Maritiem Museum "Prins Hendrik" in Rotterdam einer eingehenden Untersuchung unterzogen wurde. Gerade dieser Schiffstyp spielte in der Geschichte der Seefahrt eine wichtige Rolle, war doch das Schiff von Christoph Columbus, die SANTA MARIA, wie auch das Modell von Mataro eine Nao. Historisch belegt ist eigentlich nur, dass es die SANTA MARIA gab. Dennoch sind Modelle von ihr in allen möglichen und unmöglichen Varianten in den Museen der ganzen Weit zu finden. Und gerade hier könnte das Modell der Katalanischen Nao so manche Frage lösen helfen - es lässt jedoch auch viele Fragen offen und stellt dafür neue. So wird man also die Ergebnisse des Rotterdamer Museums abwarten müssen. Mit Hilfe von Computern wurden die Vermessungsergebnisse ausgewertet, um Rückschlüsse auf die Fahreigenschaften eines Schiffes dieser Art zu erhalten. Auch die im Innenraum des Modells gefundenen Samen und Exkremente von Tauben und Hühnern, werfen ebenfalls neue Fragen auf.

Zur Geschichte des Modells

Etwa um 1920 tauchte dieses Schiffsmodell über London und New York im Münchener Antiquitätenhandel auf, das als Weihgabe in der kleinen Kapelle San Simon von Mataro an der katalanischen Küste gehangen hatte. Zu dieser Zeit besaß das Modell noch drei Masten (Bild 1) und wurde dadurch in der Fachwelt mit großem Misstrauen aufgenommen. Da aber aus der Zeit des frühen 15. Jahrhunderts Schiffe mit drei Masten im Mittelmeerraum kaum bekannt waren, wurden wahrscheinlich aus diesem Grund Fock- und Besanmast entfernt (Bild 2). Als Einmaster also wurde es in München angeboten. Von dort aus gelangte das Modell dann in den Besitz des Holländers van Beuningen, der es als Leihgabe dem Maritiem Museum "Prins Hendrik" zu Rotterdam überließ. 1981 konnte das Museum es dann käuflich erwerben.

Beschreibung des Modells

Wie schon erwähnt, ist das Modell heute leider nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, so wie es vor 1920 war, erhalten. Nur noch auf einigen Fotos bei Culver und Nance wird es in seiner ursprünglichen Form gezeigt Heinrich Winter verwendete bei der Rekonstruktion des Rumpfes die sehr widersprüchlichen Angaben der verschiedenen Quellen. Die unterschiedlichen Maßangaben bei Culver und Nouhuys dürften aber wohl auch auf den stark verzogenen Rumpf des Modells zurückzuführen sein.

Culver

Größte Länge 119,0 cm
Länge "ausschließlich Vorgerüst" 106,0 cm
Größte Breite auf Außenhaut 53,0 cm

Nouhuys

Größte Länge 123,0 cm
Länge über Steven 102,5 cm
Breite auf Spant in Deckshöhe 45,0 cm
Raumtiefe von Kielplanken bis Decksbalken 25,0 cm

Das Länge-Breite-Verhältnis von etwa 1:2 wird von Culver jedoch angezweifelt. Dabei beruft er sich auf Angaben die bei D’Albertis verzeichnet sind. Neben Winter veröffentlichte 1960 Björn Landström eine Rekonstruktionsvariante (Bild 3) die jedoch einen Zweimaster darstellt und auch in der viel gefälliger wirkt Heinrich Winter legte seine, Rekonstruktion die als notwendig anzunehmende Stehhöhe von 2 m unter dem Halbdeck zugrunde und erhielt folgende Albmessungen:

Länge über Steven 17,8 m

Größte Breite über Außenhaut 8,8 m

Wählt man die Stehhöhe jedoch kleiner, so wurde sich auch einiges an der Takelung ändern müssen nimmt man eine größere Stehhöhe, wäre das Schiff im Original noch kleiner. Doch auch in anderer Hinsicht ist eine, Rekonstruktion einer Nao wie sie das Modell darstellt, sehr schwierig Es handelt sich ja um ein Votivmodell. Bei den Untersuchungen eines Votivmodells aus der Ashmolan-Sammlung wurde durch Entzerrung versucht die Abmessungen richtig zu stellen Auf das Mataró-Modell gezogen, ergäbe dies ein günstigeres Verhältnis der Lange zu Breite von etwa 1:3,86, da die Breite und die Höhe beibehalten wurden. Demnach wäre auch der Einwand von Culver der das Länge Breite Verhältnis mit 1:2 ja anzweifelte.

Zur Takelage

Der heute noch vorhandene Mast ist aus einem Stück gefertigt und wesentliche schlanker, als es von überlieferten Abbildungen her bekannt ist. Bei der geringen des Modells ist jedoch die Maststärke für ein Segel von 77,44 qm durchaus ausreichend. Auch die Rah ist aus einem Stuck gefertigt und trotz de, geringen Abmessung wohl kaum richtig, da sie nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden Konnte. Auf zeitgenössischen Darstellungen sind Rahen aus zwei sich überlappenden Rundhölzern abgebildet. Neuere Fotos zeigen im Gegensatz zu früheren das Fehlen des Vorgeschirrs, mit Ausnahme des Stags. Er ist am Modell an einem Ringbolzen belegt, der durch die Plattform des Vorkastells in das darunter befindliche Stützknie führt.

Eine Kuriosität an dem Modell ist, dass bei Culver - also in dem Zustand, der das Modell noch mit drei Masten darstellt - nur je ein Wantenpaar vorhanden ist, bei späteren Aufnahmen - mit einem Mast - allerdings je zwei Wantenpaare zu finden sind. Hier waren die Wanten nicht auf Rüsten gesetzt, auch endeten die Taue nicht in einer Jungfer, sondern sind durch je eine Talje an den binnenbords vorhandenen Ringbolzen fest belegt, so wie es von der Galeere her bekannt ist. Die Wanten sind auch nicht über die Marssaling geführt, sondern kreuzweise unterhalb der Saling um den Mast gelegt und mit einem Tauzurring gegen das Wegrutschen gesichert. Im Deck des Vorkastells ist eine Bruchstelle mitschiffs zu erkennen, die einerseits darauf schließen lässt, dass an dieser Stelle der Fockmast gestanden haben muss; übrigens die einzige Stelle, die auf das Vorhandensein eines Fockmastes schließen lässt. Andererseits findet sich keine Mastspur, die diese Vermutung belegen könnte; der bei Culver zu sehende Mast muss nicht der erste gewesen sein, nur weil das Modell in diesem Zustand an die Öffentlichkeit kam. Viel wahrscheinlicher ist es, dass hier ein Bugspriet vorhanden war, das um diese Zeit allgemein zwischen 65° und 70' anstieg und nicht am Steven, sondern durch das Deck des Vorkastells verlief. Im Gegensatz zum Großmast, der seinen Mastfuß am Schiffsboden hatte, war für den Besanmast unter dem Halbdeck ein Unterzug angebracht, auf dem der Besanmast ruhte. Dies ist durch die darunter verlaufende Ruderpinne bedingt. Durch je zwei Wanten erhielt der einen Querbesan führende Besanmast seinen Halt. Der Fall des Querbesans lief am Masttop durch eine eingearbeitete Rolle, so wie sie beim Großmast vorhanden war.

Farbgebung und Schmuck

Eine Verzierung, so wie sie bei späteren Schiffen zu finden war, ist am Modell nicht vorhanden. An plastischem Schmuck sind nur der Tier-und Mannskopf am Bug zu sehen, Am Heck sind lediglich die Reste einer Bemalung zu erkennen, die beiderseits des Hennegats je einen schwebenden Engel in einem Spruchband darstellt, Über dem Hennegat ist deutlich eine dunkel graugrüne Vase mit Ranken zu erkennen. Die gleiche Färbung findet sich an der Füllplatte im Mars. Die Marssailing hat ein rotes Zick-zack-Muster mit Punkten in den Winkeln. Derzeit werden diese Farbreste physikalisch-chemischen Untersuchungen unterzogen, die Aufschluss über Alter und Zusammensetzung geben. Wie schon erwähnt, müssen die vorstehenden Angaben noch manche Frage offen lassen und können daher auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die durch das Maritiem Museum "Prins Hendrik" geführten Untersuchungen konnten leider nur geringfügig - soweit sie bereits vorliegen berücksichtigt werden, da die Auswertung der Ergebnisse noch nicht abgeschlossen ist und noch nicht in vollem Umfang vorliegt.

Thomas Feige, 1986

Literatur

Winter Heinrich: Die Katalanischen Nao vor 1450. Burg 1956
Winter, Heinrich: Das Hanseschiff im ausgehenden 15. Jahrhundert. Rostock 1975
Winter, Heinrich: Die Kolumbusschiffe vor 1492. Rostock 1980
Curti, Orazio: Schiffsmodellbau - Eine Enzyklopädie. Rostock 1972
Mondfeld, Wolfram zu: Hisiorical Schip Models. London 1985 (dtsch. München 1978)
MARINERS MIRROR, Zeitschrift der Society for Nautical Research London, Jhg. 1913 (S. 238), 1923 (S. 83) 1925 (S.135), 1929 (S. 213), 1931 (S. 4)
Radtke, Fred: Rätselhafte Mataro-Karavelle. In: Wochenpost, Berlin 1985, Nr. 51, S. 11